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Der Wolf und der Kranich

Äsop für Kinder · Aesop · übersetzt von Claude Opus

Ein Wolf hatte allzu gierig geschmaust, und ein Knochen war ihm quer im Halse steckengeblieben. Er brachte ihn weder hinauf noch hinunter und konnte natürlich keinen Bissen mehr essen. Das war für einen gierigen Wolf begreiflicherweise ein schrecklicher Zustand.

Ein hoher Kranich zieht behutsam einen Knochen aus dem offenen Maul eines Wolfes, der an einem Waldbach liegt.

So eilte er zum Kranich. Er war gewiss, dass dieser mit seinem langen Hals und Schnabel den Knochen mühelos erreichen und herausziehen könne.

„Ich werde dich überaus reich belohnen“, sagte der Wolf, „wenn du mir diesen Knochen herausziehst.“

Dem Kranich war, wie du dir denken kannst, gar nicht wohl dabei, seinen Kopf in den Rachen eines Wolfes zu stecken. Doch er war von habgieriger Natur, und so tat er, worum der Wolf ihn bat.

Als der Wolf spürte, dass der Knochen fort war, machte er sich davon.

Der Kranich blickt dem Wolf nach, der bei Sonnenuntergang einen Weg entlanggeht, ohne ihm eine Belohnung gegeben zu haben.

„Aber was ist mit meiner Belohnung!“ rief der Kranich ängstlich.

„Was!“ knurrte der Wolf und fuhr herum. „Hast du sie nicht bekommen? Ist es nicht genug, dass ich dich deinen Kopf aus meinem Maul ziehen ließ, ohne ihn dir abzubeißen?“

Erwarte keinen Lohn dafür, dass du dem Bösen dienst.