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Schneewittchen

Grimms Märchen · Jacob Grimm · translated by AI translation (unreviewed)

Es war mitten im Winter, und die breiten Schneeflocken fielen ringsumher, da saß die Königin eines Landes, viele tausend Meilen weit fort, an ihrem Fenster und nähte. Der Rahmen des Fensters war aus feinem schwarzen Ebenholz, und als sie so saß und hinaus auf den Schnee blickte, stach sie sich in den Finger, und drei Tropfen Blut fielen darauf. Da betrachtete sie sinnend die roten Tropfen, die den weißen Schnee besprenkelten, und sprach: „Ach, hätte ich doch ein Töchterlein, so weiß wie dieser Schnee, so rot wie dieses Blut und so schwarz wie dieser Ebenholzrahmen!“ Und so wuchs das kleine Mädchen wirklich heran; ihre Haut war so weiß wie Schnee, ihre Wangen so rot wie das Blut und ihr Haar so schwarz wie Ebenholz; und sie wurde Schneewittchen genannt.

Diese Königin aber starb; und der König nahm bald eine andere Frau, die wurde Königin und war sehr schön, aber so eitel, dass sie den Gedanken nicht ertragen konnte, es könne jemand schöner sein als sie. Sie besaß einen Zauberspiegel, vor den pflegte sie zu treten, betrachtete sich darin und sprach:

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Und der Spiegel hatte stets geantwortet:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste im ganzen Land.“

Aber Schneewittchen wurde immer schöner, und als es sieben Jahre alt war, war es so strahlend wie der Tag und schöner als die Königin selbst. Da antwortete der Spiegel eines Tages der Königin, als sie wie gewöhnlich hineinschaute:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“

Als sie das hörte, wurde sie blass vor Zorn und Neid, rief einen ihrer Diener und sprach: „Bring Schneewittchen hinaus in den weiten Wald, damit ich es nie wieder zu sehen bekomme.“ Da führte der Diener sie fort; aber sein Herz erweichte sich, als Schneewittchen ihn bat, ihr das Leben zu schenken, und er sprach: „Ich will dir nichts zuleide tun, du schönes Kind.“ So ließ er sie allein zurück; und obwohl er es für höchst wahrscheinlich hielt, dass die wilden Tiere sie zerreißen würden, war ihm doch, als fiele ihm ein schwerer Stein vom Herzen, als er sich entschlossen hatte, sie nicht zu töten, sondern ihrem Schicksal zu überlassen, in der Hoffnung, dass jemand sie finden und retten möge.

Da wanderte das arme Schneewittchen in großer Angst durch den Wald; und die wilden Tiere brüllten um sie her, aber keines tat ihr etwas zuleide. Am Abend kam sie zu einem Häuschen zwischen den Bergen und ging hinein, um zu rasten, denn ihre kleinen Füße wollten sie nicht weitertragen. Alles war zierlich und sauber in dem Häuschen: auf dem Tisch war ein weißes Tuch gebreitet, und darauf standen sieben kleine Teller, sieben kleine Brötchen und sieben kleine Gläser mit Wein; und sieben Messer und Gabeln lagen in Ordnung; und an der Wand standen sieben kleine Bettchen. Da sie sehr hungrig war, nahm sie von jedem Brötchen ein wenig und trank aus jedem Gläschen einen kleinen Schluck Wein; und danach dachte sie, sie wolle sich niederlegen und ausruhen. So probierte sie alle Bettchen; aber das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebente ihr passte: und darin legte sie sich nieder und schlief ein.

Nach und nach kamen die Herren des Häuschens herein. Das waren sieben kleine Zwerge, die in den Bergen hausten und nach Gold gruben und suchten. Sie zündeten ihre sieben Lämpchen an und sahen sogleich, dass nicht alles in Ordnung war. Der erste sprach: „Wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?“ Der zweite: „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“ Der dritte: „Wer hat von meinem Brötchen genommen?“ Der vierte: „Wer hat mit meinem Löffelchen hantiert?“ Der fünfte: „Wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?“ Der sechste: „Wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?“ Der siebente: „Wer hat aus meinem Weingläschen getrunken?“ Da schaute der erste sich um und sprach: „Wer hat auf meinem Bettchen gelegen?“ Und die übrigen kamen herbeigelaufen, und ein jeder rief, es habe jemand auf seinem Bettchen gelegen. Der siebente aber erblickte Schneewittchen und rief alle seine Brüder herbei, sie anzusehen; und sie schrien vor Verwunderung und Staunen und brachten ihre Lämpchen, um sie zu betrachten, und sprachen: „Ach, du meine Güte! Was für ein liebliches Kind das ist!“ Und sie freuten sich sehr, sie zu sehen, und hüteten sich, sie zu wecken; und der siebente Zwerg schlief bei jedem der anderen Zwerge der Reihe nach eine Stunde, bis die Nacht vorüber war.

Am Morgen erzählte Schneewittchen ihnen ihre ganze Geschichte; und sie hatten Mitleid mit ihr und sprachen, wenn sie alles in Ordnung halten und ihnen kochen, waschen, stricken und spinnen wolle, so dürfe sie bleiben, wo sie war, und sie wollten gut für sie sorgen. Dann gingen sie den ganzen Tag über an ihre Arbeit und suchten Gold und Silber in den Bergen: Schneewittchen aber blieb daheim; und sie warnten sie und sprachen: „Die Königin wird bald herausfinden, wo du bist, darum hüte dich und lass niemand herein.“

Die Königin aber, da sie nun glaubte, Schneewittchen sei tot, meinte, sie müsse die schönste Frau im Lande sein; und sie trat vor ihren Spiegel und sprach:

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Und der Spiegel antwortete:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber über den Bergen, im grünen Waldesschatten, wo die sieben Zwerge ihr Häuschen gebaut haben, dort hält Schneewittchen sich verborgen; und es ist noch weit schöner, o Königin, als Ihr.“

Da erschrak die Königin gewaltig; denn sie wusste, dass der Spiegel stets die Wahrheit sprach, und war gewiss, dass der Diener sie betrogen hatte. Und sie konnte den Gedanken nicht ertragen, dass jemand lebte, der schöner war als sie; so verkleidete sie sich als alte Krämerin und machte sich auf den Weg über die Berge, zu dem Ort, wo die Zwerge wohnten. Da klopfte sie an die Tür und rief: „Schöne Ware feil!“ Schneewittchen schaute zum Fenster hinaus und sprach: „Guten Tag, liebe Frau! Was habt Ihr zu verkaufen?“ „Gute Ware, schöne Ware“, sagte sie; „Schnürbänder in allen Farben.“ „Die alte Frau kann ich wohl hereinlassen; sie scheint eine ganz rechtschaffene Person zu sein“, dachte Schneewittchen, lief hinunter und schob den Riegel zurück. „Ei, du meine Güte!“ sprach die Alte, „wie schlecht ist dein Mieder geschnürt! Lass mich es mit einem meiner schönen neuen Bänder schnüren.“ Schneewittchen ahnte nichts Böses; so stellte es sich vor die Alte; die aber machte sich so flink ans Werk und zog das Band so fest, dass Schneewittchen der Atem verging und es wie tot niederfiel. „Nun ist es aus mit all deiner Schönheit“, sprach die boshafte Königin und ging heim.

Am Abend kamen die sieben Zwerge heim; und ich brauche nicht zu sagen, wie betrübt sie waren, als sie ihr treues Schneewittchen auf dem Boden ausgestreckt liegen sahen, als wäre es ganz tot. Doch sie hoben sie auf, und als sie fanden, was ihr fehlte, zerschnitten sie das Band; und nach kurzer Zeit begann sie zu atmen und kam sehr bald wieder zum Leben. Da sprachen sie: „Die Alte war die Königin selbst; hüte dich ein andermal und lass niemand herein, wenn wir fort sind.“

Als die Königin heimkam, trat sie sogleich vor ihren Spiegel und sprach zu ihm wie zuvor; aber zu ihrem großen Verdruss sagte er noch immer:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber über den Bergen, im grünen Waldesschatten, wo die sieben Zwerge ihr Häuschen gebaut haben, dort hält Schneewittchen sich verborgen; und es ist noch weit schöner, o Königin, als Ihr.“

Da erstarrte ihr das Blut im Herzen vor Bosheit und Grimm, als sie sah, dass Schneewittchen noch lebte; und sie verkleidete sich abermals, doch in einem ganz anderen Gewand als zuvor, und nahm einen vergifteten Kamm mit sich. Als sie zu dem Häuschen der Zwerge kam, klopfte sie an die Tür und rief: „Schöne Ware feil!“ Aber Schneewittchen sprach: „Ich darf niemand hereinlassen.“ Da sagte die Königin: „Schau nur meine schönen Kämme an!“ und reichte ihr den vergifteten. Und er sah so hübsch aus, dass sie ihn nahm und ins Haar steckte, um ihn zu versuchen; doch im selben Augenblick, da er ihren Kopf berührte, war das Gift so stark, dass sie besinnungslos niederfiel. „Da magst du liegen“, sprach die Königin und ging ihres Weges. Aber zum Glück kamen die Zwerge an jenem Abend sehr früh heim; und als sie Schneewittchen auf dem Boden liegen sahen, dachten sie sich, was geschehen war, und fanden bald den vergifteten Kamm. Und als sie ihn wegnahmen, erholte sie sich und erzählte ihnen alles, was vorgefallen war; und sie warnten sie noch einmal, niemandem die Tür zu öffnen.

Unterdessen ging die Königin heim zu ihrem Spiegel und bebte vor Wut, als sie dieselbe Antwort wie zuvor vernahm; und sie sprach: „Schneewittchen soll sterben, und kostete es mich mein Leben.“ So begab sie sich ganz allein in ihre Kammer und bereitete einen vergifteten Apfel: von außen sah er recht rot und verlockend aus, aber wer davon kostete, musste gewiss sterben. Dann verkleidete sie sich als Bäuerin und zog über die Berge zum Häuschen der Zwerge und klopfte an die Tür; aber Schneewittchen steckte den Kopf zum Fenster hinaus und sprach: „Ich darf niemand hereinlassen, denn die Zwerge haben es mir verboten.“ „Tu, wie du willst“, sagte die Alte, „aber nimm auf jeden Fall diesen schönen Apfel; ich will ihn dir schenken.“ „Nein“, sagte Schneewittchen, „ich darf ihn nicht nehmen.“ „Du törichtes Kind!“ antwortete die andere, „wovor fürchtest du dich? Meinst du, er sei vergiftet? Komm! Iss du den einen Teil, und ich will den anderen essen.“ Nun war der Apfel so gemacht, dass die eine Seite gut war, die andere aber vergiftet. Da wurde Schneewittchen sehr gelüstet zu kosten, denn der Apfel sah gar so schön aus; und als sie die Alte essen sah, konnte sie nicht länger widerstehen. Aber kaum hatte sie das Stück in den Mund gesteckt, da fiel sie tot zu Boden. „Diesmal wird dich nichts retten“, sprach die Königin; und sie ging heim zu ihrem Spiegel, und der sagte endlich:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste im ganzen Land.“

Und da war ihr böses Herz froh und so glücklich, wie ein solches Herz nur sein kann.

Als der Abend kam und die Zwerge heimgegangen waren, fanden sie Schneewittchen auf dem Boden liegen: kein Atem kam über ihre Lippen, und sie fürchteten, sie sei ganz tot. Sie hoben sie auf, kämmten ihr das Haar und wuschen ihr das Gesicht mit Wein und Wasser; aber alles war vergebens, denn das Mädchen schien ganz tot. So legten sie sie auf eine Bahre, und alle sieben wachten und beweinten sie drei ganze Tage; und dann gedachten sie, sie zu begraben: aber ihre Wangen waren noch rot, und ihr Gesicht sah gerade so aus wie zu ihren Lebzeiten; darum sprachen sie: „Wir wollen sie nimmermehr in die kalte Erde senken.“ Und sie machten einen Sarg aus Glas, damit sie sie noch immer sehen könnten, und schrieben mit goldenen Buchstaben darauf, wie ihr Name war und dass sie eine Königstochter sei. Und der Sarg wurde zwischen den Bergen aufgestellt, und einer der Zwerge saß stets dabei und hielt Wache. Und die Vögel der Luft kamen auch und beweinten Schneewittchen; und zuerst kam eine Eule, dann ein Rabe und zuletzt ein Täubchen und setzte sich zu ihr.

Und so lag Schneewittchen lange, lange Zeit und sah noch immer nur aus, als schliefe sie; denn sie war auch jetzt noch so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz. Endlich kam ein Königssohn und kehrte in dem Haus der Zwerge ein; und er sah Schneewittchen und las, was in goldenen Buchstaben geschrieben stand. Da bot er den Zwergen Geld und bat und beschwor sie, ihn sie fortnehmen zu lassen; aber sie sprachen: „Wir geben sie nicht her für alles Gold der Welt.“ Zuletzt aber hatten sie Mitleid mit ihm und gaben ihm den Sarg; doch in dem Augenblick, da er ihn aufhob, um ihn mit sich heimzutragen, fiel das Stück Apfel aus ihren Lippen, und Schneewittchen erwachte und sprach: „Wo bin ich?“ Und der Königssohn sprach: „Du bist ganz sicher bei mir.“

Dann erzählte er ihr alles, was geschehen war, und sprach: „Ich liebe dich weit mehr als alles auf der Welt; so komm mit mir in meines Vaters Schloss, und du sollst meine Frau werden.“ Und Schneewittchen willigte ein und ging mit dem Königssohn heim; und alles wurde mit großem Prunk und Glanz für ihre Hochzeit gerüstet.

Zu dem Fest wurde unter anderen auch Schneewittchens alte Feindin, die Königin, geladen; und als sie sich in schöne, prächtige Kleider hüllte, schaute sie in den Spiegel und sprach:

„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Und der Spiegel antwortete:

„Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier, aber die junge Königin ist tausendmal schöner als Ihr.“

Als sie das hörte, fuhr sie vor Wut zusammen; aber ihr Neid und ihre Neugier waren so groß, dass sie sich nicht enthalten konnte, sich aufzumachen und die Braut zu sehen. Und als sie dort ankam und sah, dass es keine andere war als Schneewittchen, das, wie sie meinte, schon lange tot war, erstickte sie vor Wut und fiel nieder und starb: Schneewittchen aber und der Königssohn lebten und herrschten glücklich über jenes Land viele, viele Jahre; und zuweilen stiegen sie hinauf in die Berge und statteten den kleinen Zwergen einen Besuch ab, die zu Schneewittchen in ihrer Not so gütig gewesen waren.