← Library

Die Nelke

Grimms Märchen · Jacob Grimm · translated by AI translation (unreviewed)

Es war einmal eine Königin, der Gott keine Kinder beschert hatte. Jeden Morgen ging sie in den Garten und betete zu Gott im Himmel, er möge ihr einen Sohn oder eine Tochter schenken. Da kam ein Engel vom Himmel zu ihr und sprach: „Sei getrost, du sollst einen Sohn bekommen mit der Kraft des Wünschens, sodass alles, was er sich auf der Welt wünscht, ihm auch zuteilwerden soll.“ Da ging sie zum König und verkündete ihm die freudige Botschaft, und als die Zeit gekommen war, gebar sie einen Sohn, und der König war voller Freude.

Jeden Morgen ging sie mit dem Kind in den Garten, wo die wilden Tiere gehalten wurden, und wusch sich dort in einem klaren Bach. Es geschah einmal, als das Kind etwas älter war, dass es in ihren Armen lag und sie einschlief. Da kam der alte Koch, der wusste, dass das Kind die Kraft des Wünschens besaß, und stahl es fort, und er nahm ein Huhn, zerschnitt es in Stücke und träufelte etwas von seinem Blut auf die Schürze der Königin und auf ihr Kleid. Dann trug er das Kind fort an einen heimlichen Ort, wo eine Amme es säugen musste, und er lief zum König und beschuldigte die Königin, sie habe zugelassen, dass ihr Kind ihr von den wilden Tieren geraubt worden sei. Als der König das Blut auf ihrer Schürze sah, glaubte er es und geriet in solchen Zorn, dass er einen hohen Turm errichten ließ, in den weder Sonne noch Mond scheinen konnte, und ließ seine Frau hineinbringen und einmauern. Hier sollte sie sieben Jahre lang ohne Speise und Trank bleiben und Hungers sterben. Aber Gott sandte zwei Engel vom Himmel in Gestalt weißer Tauben, die zweimal am Tag zu ihr flogen und ihr Speise brachten, bis die sieben Jahre vorüber waren.

Der Koch aber dachte bei sich: „Wenn das Kind die Kraft des Wünschens hat und ich bin hier, so könnte es mich gar leicht ins Unglück bringen.“ So verließ er das Schloss und ging zu dem Knaben, der schon groß genug war zu sprechen, und sagte zu ihm: „Wünsche dir ein schönes Schloss mit einem Garten und allem, was dazugehört.“ Kaum waren die Worte aus des Knaben Mund, da war alles da, was er sich gewünscht hatte. Nach einer Weile sprach der Koch zu ihm: „Es ist nicht gut für dich, so allein zu sein; wünsche dir ein hübsches Mädchen zur Gefährtin.“ Da wünschte sich der Königssohn eines, und sogleich stand sie vor ihm und war schöner, als ein Maler sie hätte malen können. Die beiden spielten miteinander und liebten sich von ganzem Herzen, und der alte Koch ging auf die Jagd wie ein vornehmer Herr. Es kam ihm aber der Gedanke, dass der Königssohn eines Tages wünschen könnte, bei seinem Vater zu sein, und ihn so in große Gefahr bringen würde. So ging er hinaus und nahm das Mädchen beiseite und sprach: „Heute Nacht, wenn der Knabe schläft, geh an sein Bett und stoß ihm dieses Messer ins Herz und bring mir sein Herz und seine Zunge, und wenn du es nicht tust, so wirst du dein Leben verlieren.“ Darauf ging er fort, und als er am nächsten Tag zurückkam, hatte sie es nicht getan und sprach: „Warum sollte ich das Blut eines unschuldigen Knaben vergießen, der niemandem je ein Leid getan hat?“ Der Koch sprach noch einmal: „Wenn du es nicht tust, so soll es dich dein eigenes Leben kosten.“ Als er fortgegangen war, ließ sie sich eine junge Hirschkuh bringen und befahl, sie zu töten, und nahm ihr Herz und ihre Zunge und legte sie auf einen Teller, und als sie den Alten kommen sah, sprach sie zu dem Knaben: „Leg dich in dein Bett und zieh die Decke über dich.“ Da trat der böse Wicht herein und sprach: „Wo sind des Knaben Herz und Zunge?“ Das Mädchen reichte ihm den Teller, aber der Königssohn warf die Decke ab und sprach: „Du alter Sünder, warum wolltest du mich töten? Nun will ich dein Urteil sprechen. Du sollst ein schwarzer Pudel werden und ein goldenes Halsband um den Hals tragen und glühende Kohlen fressen, bis dir die Flammen aus dem Halse schlagen.“ Und als er diese Worte gesprochen hatte, wurde der Alte in einen Pudelhund verwandelt und hatte ein goldenes Halsband um den Hals, und den Köchen wurde befohlen, glühende Kohlen herbeizubringen, und diese fraß er, bis ihm die Flammen aus dem Halse schlugen. Der Königssohn blieb noch eine kurze Weile dort und dachte an seine Mutter und fragte sich, ob sie wohl noch am Leben sei. Endlich sprach er zu dem Mädchen: „Ich will heim in mein eigenes Land ziehen; willst du mit mir gehen, so will ich für dich sorgen.“ „Ach“, antwortete sie, „der Weg ist so weit, und was soll ich in einem fremden Land, wo mich niemand kennt?“ Da sie nicht recht willig schien und da sie nicht voneinander getrennt werden konnten, wünschte er, dass sie in eine schöne Nelke verwandelt würde, und nahm sie mit sich. Dann zog er fort in sein eigenes Land, und der Pudel musste hinter ihm herlaufen. Er ging zu dem Turm, in dem seine Mutter gefangen saß, und da er so hoch war, wünschte er sich eine Leiter, die bis ganz nach oben reichte. Dann stieg er hinauf und schaute hinein und rief: „Geliebte Mutter, Frau Königin, lebt Ihr noch, oder seid Ihr tot?“ Sie antwortete: „Ich habe eben gegessen und bin noch satt“, denn sie meinte, die Engel seien da. Da sprach er: „Ich bin Euer lieber Sohn, den die wilden Tiere Euch aus den Armen gerissen haben sollen; aber ich lebe noch und will Euch bald befreien.“ Dann stieg er wieder hinab und ging zu seinem Vater und ließ sich als fremder Jäger anmelden und fragte, ob er ihm seine Dienste anbieten könne. Der König sagte ja, wenn er geschickt sei und ihm Wild beschaffen könne, so solle er zu ihm kommen, aber Wild habe sich noch nie in irgendeinem Teil der Gegend oder des Landes niedergelassen. Da versprach der Jäger, ihm so viel Wild zu beschaffen, wie er nur an der königlichen Tafel gebrauchen könne. So rief er alle Jäger zusammen und hieß sie mit ihm hinaus in den Wald ziehen. Und er ging mit ihnen und ließ sie einen großen Kreis bilden, an einem Ende offen, wo er sich selbst hinstellte, und begann zu wünschen. Zweihundert Stück Wild und mehr kamen sogleich in den Kreis gelaufen, und die Jäger schossen sie. Dann wurden sie alle auf sechzig Bauernwagen geladen und heim zum König gefahren, und einmal konnte er seine Tafel mit Wild schmücken, nachdem er jahrelang gar keines gehabt hatte.

Nun freute sich der König sehr darüber und befahl, dass sein ganzer Hofstaat am nächsten Tage mit ihm speisen solle, und richtete ein großes Festmahl aus. Als sie alle beisammen waren, sprach er zu dem Jäger: ‚Weil du so klug bist, sollst du neben mir sitzen.‘ Er antwortete: ‚Herr König, Eure Majestät möge mich entschuldigen, ich bin nur ein armer Jäger.‘ Aber der König bestand darauf und sagte: ‚Du sollst neben mir sitzen‘, bis er es tat. Während er dort saß, dachte er an seine liebe Mutter und wünschte, dass einer der vornehmsten Diener des Königs von ihr zu sprechen beginne und fragte, wie es der Königin im Turme ergehe und ob sie noch am Leben sei oder umgekommen wäre. Kaum hatte er den Wunsch gefasst, da begann der Marschall und sagte: ‚Eure Majestät, wir leben hier in Freuden, aber wie lebt die Königin im Turme? Ist sie noch am Leben, oder ist sie gestorben?‘ Aber der König erwiderte: ‚Sie hat meinen lieben Sohn von wilden Tieren zerreißen lassen; ich will nicht, dass man sie nennt.‘ Da erhob sich der Jäger und sprach: ‚Gnädiger Herr Vater, sie lebt noch, und ich bin ihr Sohn, und ich wurde nicht von wilden Tieren fortgetragen, sondern von jenem Schurken, dem alten Koch, der mich aus ihren Armen riss, als sie schlief, und ihre Schürze mit dem Blut eines Huhnes bespritzte.‘ Darauf nahm er den Hund mit dem goldenen Halsband und sagte: ‚Das ist der Schurke!‘ und ließ glühende Kohlen bringen, und diese musste der Hund vor aller Augen verschlingen, bis ihm Flammen aus dem Rachen schlugen. Darauf fragte der Jäger den König, ob er den Hund in seiner wahren Gestalt sehen wolle, und wünschte ihn zurück in die Gestalt des Kochs, in der er sogleich dastand, mit seiner weißen Schürze und dem Messer an der Seite. Als der König ihn sah, geriet er in Zorn und befahl, ihn in das tiefste Verlies zu werfen. Da sprach der Jäger weiter und sagte: ‚Vater, wollt Ihr die Jungfrau sehen, die mich so zärtlich aufzog und die mich später ermorden sollte, es aber nicht tat, obwohl ihr eigenes Leben davon abhing?‘ Der König antwortete: ‚Ja, ich möchte sie wohl sehen.‘ Der Sohn sagte: ‚Gnädigster Vater, ich will sie Euch in Gestalt einer schönen Blume zeigen‘, und er griff in seine Tasche und holte die Nelke hervor und legte sie auf die königliche Tafel, und sie war so schön, dass der König nie eine ihresgleichen gesehen hatte. Da sagte der Sohn: ‚Nun will ich sie Euch in ihrer eigenen Gestalt zeigen‘, und wünschte, dass sie eine Jungfrau werde, und sie stand da und war so schön, dass kein Maler sie schöner hätte malen können.

Und der König sandte zwei Kammermädchen und zwei Diener in den Turm, um die Königin zu holen und sie zur königlichen Tafel zu bringen. Doch als sie hereingeführt wurde, aß sie nichts und sagte: ‚Der gnädige und barmherzige Gott, der mich im Turme erhalten hat, wird mich bald erlösen.‘ Sie lebte noch drei Tage und starb dann glücklich, und als sie begraben wurde, folgten die beiden weißen Tauben, die ihr die Speise in den Turm gebracht hatten und Engel des Himmels waren, ihrem Leichnam und setzten sich auf ihr Grab. Der alte König ließ den Koch in vier Stücke reißen, doch der Gram zehrte an des Königs eigenem Herzen, und er starb bald darauf. Sein Sohn heiratete die schöne Jungfrau, die er als Blume in seiner Tasche mitgebracht hatte, und ob sie noch leben oder nicht, das weiß Gott allein.