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Rotkäppchen

Grimms Märchen · Jacob Grimm · translated by AI translation (unreviewed)

Es war einmal ein kleines süßes Mädchen, das hatte jedermann lieb, der es nur ansah, am allerliebsten aber die Großmutter, die wusste gar nicht, was sie dem Kind alles geben sollte. Einmal schenkte sie ihm ein Käppchen von rotem Samt, und weil ihm das so gut stand und es nichts anderes mehr tragen wollte, hieß es nur noch das Rotkäppchen.

Eines Tages sprach die Mutter zu ihm: „Komm, Rotkäppchen, da hast du ein Stück Kuchen und eine Flasche Wein; bring sie der Großmutter hinaus, sie ist krank und schwach und wird sich daran laben. Mach dich auf, bevor es heiß wird, und wenn du hinauskommst, so geh hübsch sittsam und lauf nicht vom Wege ab, sonst fällst du und zerbrichst die Flasche, und die Großmutter hat nichts; und wenn du in ihre Stube kommst, so vergiss nicht, ‚guten Morgen‘ zu sagen, und guck nicht erst in allen Ecken herum.“

„Ich will schon alles gut machen,“ sagte Rotkäppchen zur Mutter und gab ihr die Hand darauf.

Die Großmutter aber wohnte draußen im Wald, eine halbe Meile vom Dorf, und gerade als Rotkäppchen in den Wald kam, begegnete ihm ein Wolf. Rotkäppchen wusste nicht, was das für ein böses Tier war, und fürchtete sich nicht vor ihm.

„Guten Tag, Rotkäppchen,“ sprach er.

„Schönen Dank, Wolf.“

„Wohin so früh, Rotkäppchen?“

„Zur Großmutter.“

„Was trägst du in deiner Schürze?“

„Kuchen und Wein; gestern haben wir gebacken, da soll sich die kranke und schwache Großmutter etwas zugut tun und sich damit stärken.“

„Wo wohnt deine Großmutter, Rotkäppchen?“

„Noch eine gute Viertelmeile weiter im Wald; ihr Haus steht unter den drei großen Eichbäumen, darunter sind die Nussbäume, das wirst du ja wissen,“ antwortete Rotkäppchen.

Der Wolf dachte bei sich: „Das junge, zarte Ding, das ist ein fetter Bissen, der wird noch besser schmecken als die Alte. Du musst es listig anfangen, damit du beide erwischst.“ Da ging er ein Weilchen neben Rotkäppchen her und sagte dann: „Rotkäppchen, sieh einmal die schönen Blumen, die ringsherum stehen — warum guckst du dich nicht um? Ich glaube, du hörst gar nicht, wie lieblich die Vöglein singen; du gehst so ernst deines Weges, als ob du zur Schule gingest, und es ist doch so lustig draußen im Walde.“

Rotkäppchen schlug die Augen auf, und als es sah, wie die Sonnenstrahlen hin und her durch die Bäume tanzten und alles voll schöner Blumen stand, dachte es: „Wenn ich der Großmutter einen frischen Strauß mitbringe, der wird ihr auch Freude machen. Es ist noch so früh am Tag, dass ich doch zu rechter Zeit ankomme“; und so lief es vom Weg ab in den Wald hinein und suchte Blumen. Und wenn es eine gepflückt hatte, meinte es, weiter hinaus stünde eine noch schönere, und lief ihr nach und geriet so immer tiefer in den Wald hinein.

Der Wolf aber lief geradewegs zum Haus der Großmutter und klopfte an die Tür.

„Wer ist draußen?“

„Das Rotkäppchen,“ antwortete der Wolf. „Es bringt Kuchen und Wein; mach auf.“

„Drück nur auf die Klinke,“ rief die Großmutter, „ich bin zu schwach und kann nicht aufstehen.“

Der Wolf drückte auf die Klinke, die Tür sprang auf, und ohne ein Wort zu sagen ging er geradewegs zum Bett der Großmutter und verschlang sie. Dann zog er ihre Kleider an, setzte ihre Haube auf, legte sich in ihr Bett und zog die Vorhänge vor.

Rotkäppchen aber war herumgelaufen und hatte Blumen gepflückt, und als es so viele beisammen hatte, dass es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Großmutter wieder ein, und es machte sich auf den Weg zu ihr.

Es wunderte sich, dass die Tür des Häuschens offen stand, und als es in die Stube trat, wurde ihm so seltsam zumute, dass es bei sich sprach: „Ei du mein Gott, wie ängstlich wird mir heute zumute, und ich bin sonst so gern bei der Großmutter.“ Es rief: „Guten Morgen,“ bekam aber keine Antwort; da ging es zum Bett und zog die Vorhänge zurück. Da lag die Großmutter und hatte die Haube tief ins Gesicht gezogen und sah so wunderlich aus.

„Ei, Großmutter,“ sagte es, „was hast du für große Ohren!“

„Dass ich dich besser hören kann, mein Kind,“ war die Antwort.

„Aber, Großmutter, was hast du für große Augen!“ sagte es.

„Dass ich dich besser sehen kann, meine Liebe.“

„Aber, Großmutter, was hast du für große Hände!“

„Dass ich dich besser packen kann.“

„Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!“

„Dass ich dich besser fressen kann!“

Und kaum hatte der Wolf das gesagt, sprang er mit einem Satz aus dem Bett und verschlang das arme Rotkäppchen.

Als der Wolf seinen Appetit gestillt hatte, legte er sich wieder ins Bett, schlief ein und fing an, überlaut zu schnarchen. Der Jäger ging gerade am Haus vorüber und dachte bei sich: „Wie die alte Frau schnarcht, du musst doch einmal sehen, ob ihr etwas fehlt.“ Da trat er in die Stube, und als er vor das Bett kam, sah er, dass der Wolf darin lag. „Finde ich dich hier, du alter Sünder!“ sagte er. „Ich habe dich lange gesucht!“ Und als er eben auf ihn anlegen wollte, fiel ihm ein, der Wolf könnte die Großmutter verschlungen haben und sie wäre vielleicht noch zu retten, darum schoss er nicht, sondern nahm eine Schere und fing an, dem schlafenden Wolf den Bauch aufzuschneiden. Als er ein paar Schnitte getan hatte, sah er das rote Käppchen leuchten, und nach ein paar Schnitten mehr sprang das Mädchen heraus und rief: „Ach, wie war ich erschrocken, wie war es so dunkel in dem Wolf drinnen“; und danach kam auch die alte Großmutter noch lebendig heraus, konnte aber kaum atmen. Rotkäppchen aber holte schnell große Steine, mit denen sie dem Wolf den Bauch füllten, und als er aufwachte, wollte er fortlaufen, aber die Steine waren so schwer, dass er gleich niedersank und tot fiel.

Da waren alle drei vergnügt. Der Jäger zog dem Wolf den Pelz ab und ging damit heim; die Großmutter aß den Kuchen und trank den Wein, die Rotkäppchen gebracht hatte, und erholte sich wieder; Rotkäppchen aber dachte bei sich: „Du willst dein Lebtag nicht wieder allein vom Wege ab in den Wald laufen, wenn dir’s die Mutter verboten hat.“

Es wird auch erzählt, dass Rotkäppchen einmal, als es der alten Großmutter wieder Kuchen brachte, ein anderer Wolf ansprach und es vom Weg ablocken wollte. Rotkäppchen aber nahm sich in acht, ging geradeaus seines Weges und erzählte der Großmutter, dass ihm der Wolf begegnet sei und ihm ‚guten Morgen‘ gewünscht habe, aber so bös aus den Augen geschaut, dass er es gewiss gefressen hätte, wenn sie nicht auf offener Straße gewesen wären. „Nun,“ sagte die Großmutter, „wir wollen die Tür verschließen, dass er nicht herein kann.“ Bald darauf klopfte der Wolf und rief: „Mach auf, Großmutter, ich bin das Rotkäppchen und bringe dir Kuchen.“ Aber sie schwiegen still und machten die Tür nicht auf; da schlich der Graubart zwei- oder dreimal um das Haus und sprang endlich aufs Dach, um zu warten, bis Rotkäppchen am Abend heimginge, und ihm dann in der Dunkelheit nachzuschleichen und es zu fressen. Aber die Großmutter merkte, was er im Sinn hatte. Vor dem Haus stand ein großer steinerner Trog, da sprach sie zu dem Kind: „Nimm den Eimer, Rotkäppchen; gestern habe ich Würste gekocht, trag das Wasser, worin sie gekocht sind, in den Trog.“ Rotkäppchen trug so lange, bis der große Trog ganz voll war. Da stieg der Geruch der Würste dem Wolf in die Nase, und er schnupperte und guckte hinab und reckte endlich den Hals so weit, dass er sich nicht mehr halten konnte und anfing zu rutschen, und rutschte vom Dach herab, geradewegs in den großen Trog hinein, und ertrank. Rotkäppchen aber ging fröhlich nach Haus, und niemand tat ihm mehr etwas zuleide.