Vor langer Zeit traf ein Mann im Wald einen Satyr und schloss mit ihm Freundschaft. Die beiden wurden bald die besten Gefährten und lebten zusammen in der Hütte des Mannes. Doch an einem kalten Winterabend, als sie heimwärts gingen, sah der Satyr, wie der Mann auf seine Finger blies.
„Warum tust du das?“ fragte der Satyr.
„Um meine Hände zu wärmen“, erwiderte der Mann.
Als sie nach Hause kamen, bereitete der Mann zwei Schüsseln Brei zu. Diese stellte er dampfend heiß auf den Tisch, und die Gefährten setzten sich sehr vergnügt nieder, um die Mahlzeit zu genießen. Doch zur großen Überraschung des Satyrs begann der Mann, in seine Schüssel Brei zu blasen.
„Warum tust du das?“ fragte er.
„Um meinen Brei abzukühlen“, erwiderte der Mann.
Der Satyr sprang hastig auf die Füße und eilte zur Tür.
„Leb wohl“, sagte er, „ich habe genug gesehen. Ein Bursche, der in einem Atemzug heiß und kalt bläst, kann nicht mein Freund sein!“
Wer es mit beiden Seiten hält, dem darf keine trauen.