Ein Hirte, der eines Tages seine Schafe zählte, entdeckte, dass einige von ihnen fehlten.
Sehr verärgert erklärte er laut und prahlerisch, er werde den Dieb fangen und ihn bestrafen, wie er es verdiente. Der Hirte hatte einen Wolf im Verdacht und machte sich daher auf zu einer felsigen Gegend in den Bergen, wo es von Wölfen wimmelnde Höhlen gab. Doch ehe er aufbrach, gelobte er dem Jupiter, dass er ein fettes Kalb opfern werde, wenn dieser ihm helfe, den Dieb zu finden.
Der Hirte suchte lange, ohne einen Wolf zu finden, doch gerade als er an einer großen Höhle am Berghang vorüberging, schritt ein riesiger Löwe heraus, der ein Schaf trug. In großem Schrecken fiel der Hirte auf die Knie.
„Ach, o Jupiter, der Mensch weiß nicht, worum er bittet! Um den Dieb zu finden, wollte ich ein fettes Kalb opfern. Nun verspreche ich dir einen ausgewachsenen Stier, wenn du nur den Dieb fortgehen lässt!“
Oft ist uns das, wonach wir suchen, gar nicht mehr so lieb, sobald wir es gefunden haben.
Bitte nicht töricht um Dinge, die dir Verderben brächten, wenn sie dir gewährt würden.