191.
Zerstörend ist's mit »g« bekannt, Mit »v« ein Fluß im deutschen Land.
192.
Ein Band ist meine Hülle, Ein Abschnitt muß ich sein, Zumeist des Dichters Wille Bringt Form in mich hinein. Ist »e« in »a« verwandelt, So wirst du durch mich reich; Mit Wertpapieren handelt, Wer mich besitzt, sogleich.
193.
Von Buch und Zeitungsblatt, Mit »L« dient es dem Drucker, Mit »R« es wohl in Nöten Jedweder gerne hat. Besuchet hätt's mit »V« jüngst Gern auf dem Lande ich, Da macht' es durch die Rechnung Mit »W« mir einen Strich.
194.
Es hat sie jedes Menschenkind, Und weißt du gern wie viel es sind, So magst du das vorletzte Zeichen Nur ohne weiteres durchstreichen.
195.
Mit »T« am Himmel mag es sein, Doch muß es allezeit begleiten; Mit »B« du siehst, nicht weit vom Rhein, Ein schönes Land mit deutschen Leuten.
196.
Nach Dichters Mund vom Himmel geweint, Es nun als köstlich Kleinod erscheint; Und nimmt man ihm den Kopf alsbald, Ersteht es als ein Baum im Wald.
197.
Ich bin ein Lied, aus alter Zeit entsprungen, Und werde in der neu'sten noch gesungen. Obwohl ich, als ein Fisch, die Tafel ziere, Sobald mein erstes Zeichen ich verliere.
198.
Wohl oft sah ich im Heldenkampf sie sprühen; Ein Zeichen d'ran, mußt du sie ziehen.
199.
In einem Teil von deinem Haus Wirf nur ein »n« hinein; Im Restaurant, im Kaffeehaus Wird's dir zu Diensten sein.
200.
Mit und auch ohne Kopf bin eine Stadt. Kopflos Arabien mich hat; Mit Kopf jedoch lieg' ich nicht weit vom Rhein Dem deutschen, den wir alle lieben, Und lade, bist du krank, dich ein, In mir, der doppelten, mich auszuüben.
201.
Kennst du das Wort, das Herzen mächtig bindet? Kennst du der Liebe trauliches Symbol; Das feste Band, das sich um Freunde windet, Des Fürsten Heil, des Vaterlandes Wohl?
An Stärke muß ihm Stahl und Eisen weichen; Doch hat es einen mächt'gen stillen Feind; Streichst du des hohen Wortes erstes Zeichen, Hast du die finstre Macht, die ich gemeint.
Solang die Welt steht, liegen diese beiden Im Kampf um höchstes Leid und höchste Lust; Halt fest am Ganzen, laß sie nimmer streiten In deiner stillen und zufriednen Brust!
(Hauff.)
V. Palindrom:
Das Wort ergibt auch rückwärts gelesen einen Sinn.
202.
Alles, was die Erde hegt, Was sich in den Lüften regt, Freut sich meiner innig. Umgekehrt, zieh' ich durchs Tal Und verhüll der Sonne Strahl. Nie willkommen bin ich.
203.
Du findest mich stets, Du magst mich nun lesen Von vorne, von hinten, Stets bin ich gewesen, Stets bleibe ich auch Nach altem Gebrauch.
204.
Als Frucht trat ich dir schon auf deutscher Flur entgegen. Ein großer Staat bin ich in Asien gelegen.
205.
Für ein rotes Gemüse verkauft er der Erstgeburt Rechte. Rückwärts wechselt sie stets, ändert oft launisch die Form.
206.
Räuber, Mörder und Verbrecher Eingesperrt sind hinter mir; Aber rückwärts ißt der Zecher Mit Behagen mich zum Bier.
207.
Wer in mir ruht, weiß nichts von Müh. Kehrst du mich um, nähr' ich das Vieh.
208.
Fort! ich fürchte deinen Hieb; Umgekehrt bist du mir lieb.
209.
Hast du auch vor- und rückwärts mich gelesen, Bin ich doch immer seitwärts nur gewesen.
210.
Du magst mich vorwärts oder rückwärts lesen, An jeder Küste bin ich oft gewesen.
211.
Lies oder miß von vorn, miß oder lies von hinten, Du wirst mich immer gleich an Sinn und Länge finden!
212.
Lies vorwärts oder rückwärts mich, Derselbe Vogel bleibe ich!
213.
Vorwärts ein liebender Bruder war er der Gemahlin Isaaks. Rückwärts ein treuloser Mann, David feindlich gesinnt.
214.
Vorwärts -- siehst du's beim Gelehrten, Voll von Büchern, groß und klein; -- Umgekehrt, -- gebraucht's der Müde, Will er ruhig schlafen ein.
215.
Beginn' das Wort da, wo's beliebt, Der Sinn wird dadurch nicht getrübt; Es müssen's einst wir alle werden, Die wir noch leben hier auf Erden.
216.
Vorwärts gelesen künd ich mich Als eine Ahnfrau dir; Liest du mich rückwärts, dann bin ich Als Gruß der Grüße Zier.
217.
Ob es von vorne oder rückwärts wird gelesen, Stets liegt etwas Bestechliches in seinem Wesen; Im ersten Falle Schmuck, Verschönerung es bedeutet, Im zweiten Falle, was die Sinne lockt, verleitet.
218.
Gar mächtig ist's in seinem Bau, Erhebt dein Herz zum ew'gen Licht, Und drehst du's um, trägt es zur Schau, Was heute dem Geschmack entspricht.
219.
Als eine Stadt in deutschem Land, Bin einem jeden ich bekannt; Doch, wenn verstellt sind meine Zeichen, Da muß nach Mähren ich dann weichen; Dort aber gelt' ich auch als Stadt, Die immerhin Bedeutung hat.
220.
Mächtiger Lebensnerv du! ob weiblich genannt oder sächlich, Alle, welchen du fehlst, sind Bettler oder sind schwächlich! Rückwärts gelesen -- bedeckt es die Messen mit bunten Gestalten, Kommt nun, ihr Leser und sucht, -- es ist Beides im Rätsel enthalten.
221.
Wie wird doch wohl die Stadt genannt, Die -- wird ihr Name umgewandt -- Dem Aug' und Ohr ein Wörtchen beut, Das den, der es empfängt, erfreut. Daß das Erraten nicht zu schwer, Sag' ich dir jetzt noch etwas mehr: Daß nämlich die gedachte Stadt Zum Herrn den Herrscher Ungarns hat.
222.
Unter den Alten Göttergestalten Ward dereinst er hochverehrt, Dessen Name zeigt verkehrt Eine Stadt auf engem Land Zwischen zweier Meere Strand.
223.
Ob du auch rückwärts wendest mich, Bleib' ich doch wie vorher, Erschöpfend unveränderlich Bis auf den Grund das Meer.
224.
Du magst mich vor und rückwärts lesen, Ich bleibe stets, was ich gewesen, Versehe mein Geschäft ganz wacker, Ich mach' den Bauern mürb den Acker.
225.
Du magst, wie immer willst, mich lesen, Du triffst auf mir ein hitzig Wesen, Vom Schmied und Schlosser angefacht, Das schnell das Eisen weicher macht.
226.
Was nicht ihr nennt mit dem von vorne, Das eignet euch nicht trügerisch zu, Sonst kommt es umgekehrt im Zorne Und raubt euch des Gewissens Ruh'.
227.
Ist es nicht ein artig Wesen, Dieses kleine Wörtlein hier? Kannst es vor und rückwärts lesen, Gibt es Frag' und Antwort hier.
228.
Jüdische Weisheit aus Dichters Mund Tut dir das Wort, das meinige, kund; Rückwärts lies es, und es umblüht Griechische Anmut dein Gemüt!
229.
Es ist mein Sinn zur Weiblichkeit gerichtet; Ich steh vor ihr jahrhundertlang. Es wird auch manchem vor mir bang, Er wird durch mich zur Wahrheit streng verpflichtet.
230.
Vom sehnenden Blicke des sterbenden Sehers verklärt Strahlst du, erhabener Berg, zeigst ihm das heilige Land. Scheidend nur durft es begrüßen der Führer des jüdischen Volkes; Segen vermittelnd im Tod, wie er's im Leben getan. Lies verkehrt nun die Silben, die gleichfalls die Richtung dir zeigen, Wo das verheißene Land, deiner Pilgerfahrt Ziel?
231.
Noch sitzt auf halbverfallnem Throne, Noch hält die längst bestrittne Krone Die alte Königin der Welt. Ob sie wohl je vom Throne fällt? Vielleicht; doch lies'st du sie von hinten, So wirst du einen König finden, Der herrscht, seitdem die Welt besteht, Das Reich nur mit der Welt vergeht; Sie schießt nicht ewige Donnerkeile, Doch ewig treffen seine Pfeile.
(Hauff.)
VI. Buchstabenrätsel:
Ein oder mehrere Buchstaben des Wortes werden verändert.
232.
Du hast mich oftmals schon gesehen; Zwei Dutzend Brüder habe ich, Und wenn wir nach der Ordnung stehen, Bin ich der Zweite sicherlich; Im Bad bin ich der Erst und werd nicht naß, Im Grab der Letzte. -- Was ist das?
233.
Mit Sp ist es ein niedlich Ding, Ein Tierchen, munter stets und flink; Mit St hat's England aufzuweisen, Man hört es dort als Münze preisen.
234.
Mit E steht's grün und kräftig da, Verbrenn's, so wird aus E ein A.
235.
Mit »i« als weiser Narr bekannt; Mit »e« als tapf'rer Held genannt; Mit »ü« als Kleiderstoff verwandt; Mit »o« als Hund verfolgt durch Stadt und Land.
236.
Mit »W« beim Adel hochverehrt, Hat es mit »L« nur Lumpenwert.
237.
Hart kleid ich dich (t); Weich iß'st du mich (d).
238.
Mit »e« such' es auf Erden nicht, Mit »i« an deinem Angesicht.
239.
Mit »a« ist es in jedem Haus, Wer ruht nicht gern in selbem aus; Mit »u« ist es im Herzensgrund, Wer wird nicht gern von ihm gesund?
240.
Mit »a« kann's dich empfindlich zwicken; Doch kannst du ihr gar leicht entgehen. Mit »u« wird's dir viel wen'ger glücken, Wirst oft von ihr verletzt dich sehen.
241.
Ich zog als S zum Kampfe aus Und kam, als P, davon nach Haus; Mein Herr, dem ich einst Feind gewesen, Hat drauf zum Helfer mich erlesen.
242.
Es möge vor des Ersten Wüten, Der Herr die Länder stets behüten! Verändert wird es dorthin zeigen, Wo nach des Tages Stundenreigen Die Stunde scheidend uns entschwindet, Der Abendstern die nahe Nacht verkündet.
243.
Mit W ist's immer zu beachten, Weil's nutzbar, folgenreich und schwer; Mit N als wertlos zu betrachten, Weil nutzlos ist, gehaltlos, leer.
244.
Mit H eilt's; Mit R weilt's; Mit M nährt's; Mit L beschwert's; Mit M ragt's; Mit G Dank sagt's.
245.
Mit B, was der Sieger gewinnt. Mit H, was schnell verrinnt.
246.
Sicherlich hast du, mein Freund, das Wort, das ich meine, im Antlitz; Vorn ein Zeichen hinweg, nennt es dir schnell einen Fluß.