← Library

500 Rätsel und Rätselscherze für jung und alt · Joseph Frick

97.

Hältst du stets die Ersten offen, Bleibt dir manches Weh erspart; Hat ein Unglück dich betroffen, Lindert es die Letzte zart. Gute Kinder sind das Ganze Ihren Eltern jederzeit; Aus der Blumen reichem Kranze Winkt es in bescheid'nem Kleid.

98.

»Wo sind denn die versproch'nen Ersten?« So frug zwei Jäger ich letzthin, Durchsuchte eifrig ihre Taschen, Doch in den Taschen war nichts drin. »Du bist und bleibst ein rechter Spötter«, Versetzt' der Eine d'rauf geschwind, »Und manchesmal möcht' ich dich wünschen, Dorthin, wo die zwei Letzten sind.« Wir lachten. -- »Kellner, ich hab' Hunger«, Sprach ich, »die Karte, wenn's gefällt!« Und hab' darauf zum Abendessen Das leck're Ganze mir bestellt.

99.

Das Erste ist nicht offen; Das Zweite ist oft schwer. Aufs Ganze nur zu hoffen, Bringt keinem große Ehr.

100.

Die Erste will als Vorwort dir, Die Zweit ertönt oft zum Pläsier, Doch geht es gegen einen Feind, Dann ist sie immer ernst gemeint. Zum Ganzen man das Beste wählt, Doch zu ihm auch das Schlechte zählt.

101.

Die Erste macht selbst Helden heiß; Die Zweite lohnt der Menschen Fleiß, Und auf dem Ganzen findest du Manch wack'res Haupt in süßer Ruh.

102.

Ob du Künstler oder Dichter, Schuster, Schneider, Schlosser bist, Freude wirst du stets empfinden, Wenn die Erst' vollendet siehst.

Gar verschieden ist die Zweite, Dick und dünn und grob und fein Und sie kann von Sammt und Seide Oder Garn und Wolle sein.

Nicht entbehren kannst das Ganze, Ob du Schuster, Schneider bist, Weil es, um die Erst zu schaffen, Jederzeit vonnöten ist.

103.

Die erste Silbe ist gar schwer, Ein Stein ist nichts dagegen, Nur wenn dich drückt der Sorgen Heer, Kannst bildlich du's erwägen. Die Zweite, die das Mitgefühl, Der Edelmut gegründet, Ward manchem Herzen das Asyl, Wo es die Heimat findet. Steht auch die Erste wie bekannt, Im Dienst der Todeswaffen, Als Ganzes hat's in Künstlerhand Manch schönes Werk geschaffen.

104.

Die Erste sagt so viel als: »Es ist aus«, Dasselbe sagt die Zweite mit der Dritten, Nur paßt das eine mehr zu Saus und Braus, Das and're zu der Kirche heil'gen Sitten, Zu jedes Christmenschen frommen Bitten. Das Ganze reihet Frag' an Frage, Der Schüler wie der Lehrer Plage.

105.

Wenn glücklich die Erste entscheidet die Schlacht, Nach blutigem Kriege die Zweite uns lacht; Ein ruhmreicher Held aus vergang'nen Tagen, Das Ganze noch lebet in Liedern und Sagen.

106.

Wer trug die Ersten nicht von Zeit zu Zeit! Sie sind der Schatten in dem Bild des Lebens! Warst andern sie zu mildern du bereit, So sei getrost, du lebtest nicht vergebens. Die Dritte treibt oft Blatt und Blut empor, Auch trägst du es von Meister Schusters Händen; Es ist das Ruder an dem Feuerrohr, Den raschen Tod, wohin du willst, zu senden. Das Ganze wütet in des Menschen Brust. Oft unterliegt er ihm im heißen Ringen. Nicht selten wird's des Lebens höchste Lust, Doch öfter noch dir die Verzweiflung bringen.

107.

Schon sank auf Wald und Eins hernieder Der Dämmrung Schleier leis' und sacht, Und ihre traumumfang'nen Glieder Begann zu regen nun die Nacht. Am Fuße einer Drei -- Vier saß ich, Vor mir die frisch begrünte Flur; Des heißen Tages Müh'n vergaß ich Im holden Frieden der Natur. Wie war erquickend diese Kühle! Sie machte Herz und Sinne klar. -- Wie labte nach des Tags Gewühle Sich lechzend nun mein erstes Paar Und von den Letzten kehrte wieder Die Herde mit melod'schem Klang, Wobei ihr Hirte treu und bieder Ein Lied mit frommem Sinne sang. Leis tönten aus dem nahen Orte Die Abendglocken übers Feld. -- So ward mir zu dem ganzen Worte Auch noch ein Ohrenschmaus bestellt.

108.

Der ersten Silb' entströmen Wein und Lieder, Und was du einsam denkst, macht sie bekannt, Oft geht sie mit dem Zwang auch Hand in Hand, Schlägt selbst in Fesseln deine freien Glieder! Doch gibt das zweite Paar dir Hoffnung wieder, Sein Feueratem weht von Land zu Land, Sprengt deines Kerkers festgetürmte Wand, Wirft deine Häscher, deine Fesseln nieder. Scheint zwei mit eins sich nimmer zu vertragen, So ist das Ganze doch ein hohes Wort, Woran man nur den Widerspruch getadelt; Doch hat sein Widerspruch manch großen Geist geadelt! Fürwahr! es starb des letzten letzter Hort, Wär' es gestorben jüngst in unsern Tagen.

(Hauff.)

109.

Liebliche Erste, du warst gepriesen von tausend Poeten Und in Begeist'rung für dich singen unzählige noch. Einmal nur mit all' deiner Pracht erscheinst du des Jahres, Und wie im Jahre, so blühst einmal im Leben du nur. Liebe beut dir die Zweite, du kennst sie in vielerlei Arten -- Was ihm am meisten behagt, wähle ein Jeder sich aus. So zu der Zweiten gehört auch das Ganze, das köstliche Ganze Schenkt dir die Erste. Da ist Keiner, der es je verschmäht.

110.

Die beiden Ersten geh'n Hervor aus Schmerz und Leid. Die Dritte sich vollzieht In Lust und Heiterkeit. Durch's Ganze stellt man uns Handgreiflich, wunderbar, Im Schmuck der Poesie Den Ernst des Lebens dar.

III. Kapselrätsel:

In ein Wort sollen eine oder mehrere Silben eingeschaltet (=kapselt) werden.

111.

Seht ihr d'rin vier Spiele, Stets ein Spieler ist's; Fehlen die vier Spiele, Klar, wie Wasser, ist's.

112.

Von höchster Stelle aus berufen, Daß nahe ich des Thrones Stufen Der Künste schönster liege ob, Erwarb ich mir schon manches Lob. Doch wenn es glückt, aus meinem Herzen Ein sichtbar Mal ganz auszumerzen, So dien' als Held ich von Tirol Der tapfern Treue zum Symbol.

113.

Die Ostsee nimmt es auf als Fluß, Bin ich ihm zugetan; Doch fehle ich; zu einer Stadt Am Rheine wird es dann.

114.

Seh' eine Mark ich darin liegen, Hol' ab und zu ich's von der Post: Doch fehlt die Mark dem Rätselworte, Empfang ich's täglich von der Post.

115.

Wo etwas nur verweilen kann, Triffst du zu jeder Zeit mich an; Doch fügst du mir den Namen ein, Dann bin ich oft von Erz und Stein, Wohl auch von Holz, Gips oder Stuck Und diene immer nur zum Schmuck.

116.

Siehst Erich meinen Bruder, Du in dem Wort versteckt, Wird's mich von Herzen freuen, Wenn's jeden Tag dir schmeckt. Tret' ich jedoch für Erich ein, Schafft dir das Rätselwort nur Pein.

117.

Sieht man Ischl darin liegen, Tummelt's sich im Rhein; Fehlet das genannte Städtchen, Heißt's gleich: das ist fein.

118.

Trag' ich ein Ei in meiner Mitte, So galt ich schon auf Schritt und Tritte So manchem als ein Hindernis, Dem Untergang er schwor gewiß.

Doch wenn das Ei er weggenommen, Um selbst an seinen Platz zu kommen, So wink' ich Trost und süße Ruh' Von oben vielen Herzen zu.

119.

Trag' ich in mir, wie jeder weiß, Auch nichts als hartes, kaltes Eis, Bin ich doch Quelle allen Lebens. Mir gilt des Todes Ruf vergebens Und ewig kann allein nur sein, Was ich in Wahrheit nenne mein.

120.

Bin ich's, wovor die Trägheit flieht, Wenn in mir einen Weg man sieht, Und was zur Nacht wie auch bei Tage Schafft vielem eine and're Lage. Doch tauscht der Weg mit einer Zahl, Bereit ich manchem herbe Qual, Dem in bezug auf seine Schulden An Mark es fehlet oder Gulden.

121.

Du kennst mich als den Wüstensohn, Der gern statt Häuser Zelte baut; Doch fliegt mein Rabe mir davon, So fahr' erschreckt ich aus der Haut: Vorbei ist's dann mit allem Spaß, Weil ich nur diene noch als Maß.

122.

Nimm, Leser, einen Schmerzensschrei Und laß ihn auseinander klaffen; Dir einen Schweizerkanton leih' Und schieb ihn in den Schmerzensschrei, Dann hast du eine Stadt geschaffen!

123.

In den folgenden Versen von Goethe ist eine Frauengestalt aus einer Oper enthalten:

Ich sah mich um an vielen Orten Nach lustigen, gescheiten Worten, An bösen Tagen mußt ich mich freuen, Daß diese die besten Worte verleihen.

IV. Logogryph:

Das Wort erhält durch Beifügung oder Weglassung eines oder mehrerer Laute eine andere Bedeutung.

124.

Mein kurzes Wort nennt eine Stadt Am schönen Donaustrande; Ein Zeichen mehr, ein schattiger Baum Im lieben Vaterlande.

125.

Es ist ein Bruch; davor ein W. Dann hört ihr's rufen aus dem Klee; Mit Sch jedoch birgt's allerhand; Oblaten, Pillen, Hut und Band.

126.

Zu fernster Spitze Afrikas Füg ein zweisilbig Längenmaß. So hast ein Kirchlein du erbaut, Das hell ins Tal herniederschaut.

127.

Zwölf Geschwister sind wir zwar, Doch immer ich der Schönste war; Drum bringt mir jeder Huld'gung dar. Versiehst du mich mit einem Fuß, Bin ich ein sehr bekannter Fluß, Den man in Deutschland suchen muß.

128.

Ich bin bekannt als deutscher Fluß, Und gibst du mir noch Kopf und Fuß, Dann klimm ich zu der Höh' hinan, Verfolgt vom kühnen Jägersmann.

129.

Mit »e« wird es ein Jude sein, Mit »i« von hohem Wert ein Stein.

130.

Mit schnellem S und scharfem T Hascht manche K so manche R.

131.

Ein großes Reich in Asien ich bin, Doch kopf- und fußlos ist es hin.

132.

In den Händen der Fürsten ist es ein Zeichen der Herrschaft; Werden die Zeichen versetzt, flößt es uns ein ihre Macht.

133.

Es liegt in Württemberg als Stadt, Berühmt durch seine Frauen. Doch wenn's sein Herz verloren hat, Trifft man's in vielen Gauen.