Während Pinocchio flink schwamm, um den Strand zu erreichen, merkte er, dass sein Vater, der ihm huckepack auf den Schultern saß und mit den Beinen halb im Wasser hing, ganz heftig zitterte, als hätte den armen Mann das Wechselfieber gepackt.
Zitterte er vor Kälte oder vor Angst? Wer weiß?... Vielleicht ein bisschen vor dem einen und ein bisschen vor dem anderen. Pinocchio aber glaubte, dieses Zittern käme von der Angst, und sagte, um ihn zu trösten:
„Nur Mut, Vater! In ein paar Minuten sind wir an Land und gerettet.“
„Aber wo ist denn dieser gesegnete Strand?“, fragte der alte Mann, der immer unruhiger wurde, und kniff die Augen zusammen, wie es die Schneider tun, wenn sie den Faden ins Nadelöhr fädeln. „Ich schaue und schaue nach allen Seiten und sehe nichts als Himmel und Meer.“
„Aber ich sehe auch den Strand“, sagte der Hampelmann. „Damit du's weißt: Ich bin wie die Katzen, ich sehe nachts besser als am Tag.“
Der arme Pinocchio tat so, als wäre er guter Dinge; aber in Wirklichkeit ... in Wirklichkeit verlor er allmählich den Mut: Die Kräfte verließen ihn, sein Atem ging schwer und keuchend ... kurz, er konnte nicht mehr, und der Strand war immer noch weit weg.
Er schwamm, solange er Luft hatte; dann drehte er den Kopf zu Geppetto um und sagte mit stockenden Worten:
„Lieber Vater, hilf mir ... denn ich sterbe ...“
Und Vater und Sohn waren schon nahe daran zu ertrinken, als sie eine Stimme hörten, die klang wie eine verstimmte Gitarre, und die sagte:
„Wer ist es, der da stirbt?“
„Ich bin es und mein armer Vater!“
„Diese Stimme kenne ich! Du bist Pinocchio!...“
„Genau; und du?“
„Ich bin der Thunfisch, dein Mitgefangener im Bauch des Haifischs.“
„Und wie bist du entkommen?“
„Ich bin deinem Beispiel gefolgt. Du hast mir den Weg gezeigt, und nach dir bin ich auch geflohen.“
„Lieber Thunfisch, du kommst gerade recht! Ich bitte dich, bei der Liebe zu deinen kleinen Thunfischkindern: Hilf uns, sonst sind wir verloren.“
„Gern und von ganzem Herzen. Haltet euch beide an meinem Schwanz fest und lasst euch führen. In vier Minuten bringe ich euch ans Ufer.“
Geppetto und Pinocchio nahmen, wie ihr euch denken könnt, das Angebot sofort an; aber statt sich am Schwanz festzuhalten, fanden sie es bequemer, sich gleich ganz auf den Rücken des Thunfischs zu setzen.

„Sind wir dir zu schwer?“, fragte ihn Pinocchio.
„Schwer? Nicht im Geringsten: Mir ist, als trüge ich zwei Muschelschalen auf dem Rücken“, antwortete der Thunfisch, der so groß und kräftig gebaut war, dass er aussah wie ein zweijähriges Kalb.
Am Ufer angekommen, sprang Pinocchio als Erster an Land, um seinem Vater herunterzuhelfen; dann drehte er sich zum Thunfisch um und sagte mit bewegter Stimme:
„Mein Freund, du hast meinen Vater gerettet! Ich habe gar keine Worte, um dir genug zu danken! Erlaube mir wenigstens, dir einen Kuss zu geben, als Zeichen ewiger Dankbarkeit!...“
Der Thunfisch streckte das Maul aus dem Wasser, und Pinocchio kniete sich auf den Boden und gab ihm einen ganz zärtlichen Kuss auf den Mund. Bei diesem Zeichen so spontaner und herzlicher Zuneigung war der arme Thunfisch, der so etwas nicht gewohnt war, so gerührt, dass er sich schämte, wie ein kleines Kind weinend gesehen zu werden; er tauchte den Kopf wieder unter Wasser und verschwand.

Inzwischen war es Tag geworden.
Da bot Pinocchio Geppetto, der kaum noch die Kraft hatte, sich auf den Beinen zu halten, seinen Arm an und sagte zu ihm:
„Stütz dich nur auf meinen Arm, lieber Papa, und lass uns gehen. Wir gehen ganz langsam, wie die Ameisen, und wenn wir müde sind, ruhen wir uns unterwegs aus.“
„Und wohin sollen wir gehen?“, fragte Geppetto.
„Wir suchen ein Haus oder eine Hütte, wo man uns aus Barmherzigkeit einen Bissen Brot gibt und ein bisschen Stroh, das uns als Bett dienen kann.“
Sie waren noch keine hundert Schritte gegangen, als sie am Straßenrand zwei üble Gestalten sitzen sahen, die dort hockten und bettelten.
Es waren der Kater und der Fuchs; aber sie sahen gar nicht mehr so aus wie früher. Stellt euch vor: Der Kater hatte so lange den Blinden gespielt, dass er am Ende wirklich blind geworden war; und der Fuchs, alt geworden, von Motten zerfressen und auf einer Seite ganz gelähmt, hatte nicht einmal mehr seinen Schwanz. So ist es. Dieser elende kleine Dieb war ins bitterste Elend geraten und eines schönen Tages gezwungen gewesen, sogar seinen wunderschönen Schwanz an einen Hausierer zu verkaufen, der ihn kaufte, um sich daraus einen Fliegenwedel zu machen.
„O Pinocchio!“, rief der Fuchs mit weinerlicher Stimme. „Gib diesen zwei armen Kranken ein kleines Almosen!“
„Kranken!“, wiederholte der Kater.
„Lebt wohl, ihr Gauner!“, antwortete der Hampelmann. „Einmal habt ihr mich hereingelegt, ein zweites Mal kriegt ihr mich nicht.“
„Glaub uns, Pinocchio, heute sind wir wirklich arm und unglücklich!“
„Wirklich!“, wiederholte der Kater.
„Wenn ihr arm seid, dann habt ihr es verdient. Denkt an das Sprichwort, das sagt: ‚Gestohlenes Geld bringt keinen Segen.‘ Lebt wohl, ihr Gauner.“
„Hab Mitleid mit uns!...“
„Mit uns!“
„Lebt wohl, ihr Gauner! Denkt an das Sprichwort, das sagt: ‚Des Teufels Mehl wird lauter Kleie.‘“
„Lass uns nicht im Stich!...“
„... Stich!“, wiederholte der Kater.
„Lebt wohl, ihr Gauner! Denkt an das Sprichwort, das sagt: ‚Wer seinem Nächsten den Mantel stiehlt, stirbt gewöhnlich ohne Hemd.‘“

Und mit diesen Worten gingen Pinocchio und Geppetto ruhig ihres Weges weiter, bis sie nach weiteren hundert Schritten am Ende eines schmalen Pfades, mitten auf den Feldern, eine hübsche Hütte sahen, ganz aus Stroh, und das Dach mit Ziegeln und Backsteinen gedeckt.
„In dieser Hütte muss jemand wohnen“, sagte Pinocchio. „Gehen wir hin und klopfen wir an.“
Sie gingen also hin und klopften an die Tür.
„Wer ist da?“, sagte ein feines Stimmchen von drinnen.
„Wir sind ein armer Vater und ein armer Sohn, ohne Brot und ohne Dach“, antwortete der Hampelmann.
„Dreht den Schlüssel um, dann geht die Tür auf“, sagte dasselbe Stimmchen.
Pinocchio drehte den Schlüssel um, und die Tür ging auf. Kaum waren sie drinnen, schauten sie hierhin, schauten sie dorthin und sahen niemanden.
„Ja, wo ist denn der Besitzer der Hütte?“, sagte Pinocchio verwundert.
„Hier oben bin ich!“
Vater und Sohn blickten sofort zur Decke hinauf und sahen auf einem kleinen Balken die Sprechende Grille.
„Oh, meine liebe kleine Grille!“, sagte Pinocchio und grüßte sie höflich.
„Jetzt nennst du mich ‚deine liebe kleine Grille‘, nicht wahr? Aber erinnerst du dich noch, wie du mir einen Hammerstiel nachgeworfen hast, um mich aus deinem Haus zu jagen?“
„Du hast recht, Grillchen! Jag mich auch fort ... wirf auch mir einen Hammerstiel nach; aber hab Mitleid mit meinem armen Vater ...“
„Ich werde Mitleid mit dem Vater haben und auch mit dem Sohn! Ich wollte dich nur an die Grobheit erinnern, die ich von dir erfahren habe, um dich zu lehren, dass man auf dieser Welt, wann immer man kann, zu allen freundlich sein muss, wenn man in Tagen der Not mit gleicher Freundlichkeit belohnt werden will.“
„Du hast recht, Grillchen, du hast mehr als recht, und ich werde mir die Lehre merken, die du mir erteilt hast. Aber sag mir doch, wie hast du es angestellt, dir diese schöne Hütte zu kaufen?“
„Diese Hütte hat mir gestern eine anmutige Ziege geschenkt, die ein Fell von einer wunderschönen blauen Farbe hatte.“
„Und wohin ist die Ziege gegangen?“, fragte Pinocchio voller Neugier.
„Ich weiß es nicht.“
„Und wann kommt sie zurück?...“
„Sie kommt niemals zurück. Gestern ist sie ganz betrübt fortgegangen, und mit ihrem Meckern schien sie zu sagen: ‚Armer Pinocchio!... Nun werde ich ihn nie mehr wiedersehen!... Der Haifisch hat ihn um diese Stunde bestimmt schon aufgefressen!...‘“
„Das hat sie wirklich gesagt?... Dann war sie es!... Sie war es!... Es war meine liebe kleine Fee!...“, fing Pinocchio an zu schreien, schluchzend und bitterlich weinend.
Als er sich richtig ausgeweint hatte, trocknete er sich die Augen, machte ein gutes Bettchen aus Stroh zurecht und legte den alten Geppetto darauf. Dann fragte er die Sprechende Grille:
„Sag mir, Grillchen, wo könnte ich ein Glas Milch für meinen armen Vater finden?“
„Drei Felder weiter von hier wohnt der Gemüsegärtner Giangio, der Kühe hält. Geh zu ihm, dann findest du die Milch, die du suchst.“
Pinocchio lief, so schnell er konnte, zum Haus des Gemüsegärtners Giangio; aber der Gemüsegärtner sagte zu ihm:
„Wie viel Milch willst du denn?“
„Ich will ein volles Glas.“
„Ein Glas Milch kostet einen Soldo. Gib mir also erst einmal den Soldo.“
„Ich habe nicht einmal einen Centesimo“, antwortete Pinocchio ganz beschämt und bekümmert.
„Schlecht, mein lieber Hampelmann“, erwiderte der Gemüsegärtner. „Wenn du nicht einmal einen Centesimo hast, dann habe ich nicht einmal einen Fingerbreit Milch.“
„Da kann man nichts machen!“, sagte Pinocchio und wandte sich zum Gehen.
„Warte mal“, sagte Giangio. „Wir zwei können uns schon einig werden. Bist du bereit, das Schöpfrad zu drehen?“
„Was ist ein Schöpfrad?“
„Das ist so ein Gerät aus Holz, mit dem man das Wasser aus der Zisterne heraufzieht, um das Gemüse zu gießen.“
„Ich will's versuchen ...“
„Also, zieh mir hundert Eimer Wasser herauf, und ich schenke dir dafür ein Glas Milch.“
„Abgemacht.“
Giangio führte den Hampelmann in den Gemüsegarten und zeigte ihm, wie man das Schöpfrad dreht. Pinocchio machte sich sofort an die Arbeit; aber noch bevor er die hundert Eimer Wasser heraufgezogen hatte, triefte er von Kopf bis Fuß vor Schweiß. Eine solche Plackerei hatte er noch nie durchgestanden.
„Bisher hat diese Arbeit am Schöpfrad“, sagte der Gemüsegärtner, „mein Eselchen gemacht; aber heute liegt das arme Tier im Sterben.“
„Führen Sie mich hin, damit ich ihn sehe?“, sagte Pinocchio.
„Gern.“
Kaum hatte Pinocchio den Stall betreten, sah er ein hübsches Eselchen, das ausgestreckt auf dem Stroh lag, ganz entkräftet von Hunger und zu viel Arbeit. Als er es lange und genau angeschaut hatte, sagte er bei sich, ganz verstört:
„Dieses Eselchen kenne ich doch! Das Gesicht ist mir nicht neu!“
Und er beugte sich zu ihm hinunter und fragte es in der Eselssprache:

„Wer bist du?“
Auf diese Frage öffnete das Eselchen seine sterbenden Augen und antwortete stammelnd in derselben Sprache:
„Ich bin ... Do...o...ch...t.“
Und dann schloss es die Augen wieder und starb.
„Oh, armer Docht!“, sagte Pinocchio halblaut, nahm eine Handvoll Stroh und wischte sich eine Träne ab, die ihm über das Gesicht lief.
„Du bist so gerührt wegen eines Esels, der dich nichts gekostet hat?“, sagte der Gemüsegärtner. „Was soll denn dann ich sagen, der ich ihn mit barem Geld gekauft habe?“
„Wissen Sie ... er war ein Freund von mir ...“
„Dein Freund?“
„Ein Schulkamerad von mir!...“
„Wie bitte?!“, brüllte Giangio und brach in schallendes Gelächter aus. „Wie bitte?! Du hattest Esel als Schulkameraden?... Da kann man sich ja denken, was du für schöne Studien gemacht hast!...“
Der Hampelmann fühlte sich durch diese Worte gekränkt und antwortete nicht; er nahm aber sein Glas Milch, die noch beinahe warm war, und kehrte zur Hütte zurück.
Und von diesem Tag an stand er mehr als fünf Monate lang jeden Morgen vor dem Morgengrauen auf, um das Schöpfrad zu drehen und sich so das Glas Milch zu verdienen, das der schwachen Gesundheit seines Vaters so guttat. Und damit nicht genug: In seiner freien Zeit lernte er auch Körbe und Körbchen aus Binsen zu flechten, und mit dem Geld, das er damit verdiente, bestritt er sehr umsichtig alle täglichen Ausgaben. Unter anderem baute er ganz allein einen schmucken kleinen Wagen, um seinen Vater an schönen Tagen spazieren zu fahren, damit er ein wenig frische Luft schnappen konnte.
An den Abenden übte er dann Lesen und Schreiben. Er hatte im nahen Dorf für ein paar Centesimi ein dickes Buch gekauft, dem das Titelblatt und das Inhaltsverzeichnis fehlten, und darin las er. Zum Schreiben benutzte er ein angespitztes Hölzchen als Feder; und da er weder Tintenfass noch Tinte hatte, tauchte er es in ein Fläschchen voll Brombeer- und Kirschsaft.
Kurz und gut: Mit seinem guten Willen, sich zu bemühen, zu arbeiten und voranzukommen, war es ihm nicht nur gelungen, seinen immer kränklichen Vater beinahe in Wohlstand zu versorgen, sondern er hatte obendrein noch vierzig Soldi beiseitelegen können, um sich einen neuen Anzug zu kaufen.
Eines Morgens sagte er zu seinem Vater:
„Ich gehe hier auf den nahen Markt und kaufe mir ein Jäckchen, ein Mützchen und ein Paar Schuhe. Wenn ich wieder nach Hause komme“, fügte er lachend hinzu, „bin ich so fein angezogen, dass du mich für einen vornehmen Herrn halten wirst.“
Und als er aus dem Haus war, fing er an zu laufen, ganz fröhlich und vergnügt. Da hörte er plötzlich, wie ihn jemand beim Namen rief, und als er sich umdrehte, sah er eine schöne Schnecke, die aus der Hecke hervorkroch.
„Erkennst du mich nicht?“, sagte die Schnecke.
„Ja und nein ...“
„Erinnerst du dich nicht an die Schnecke, die bei der Fee mit den blauen Haaren Kammerzofe war? Weißt du nicht mehr, wie ich damals herunterkam, um dir zu leuchten, und du mit einem Fuß in der Haustür steckengeblieben warst?“
„Ich erinnere mich an alles“, rief Pinocchio. „Antworte mir schnell, liebe kleine Schnecke: Wo hast du meine gute Fee gelassen? Was macht sie? Hat sie mir verziehen? Denkt sie noch an mich? Hat sie mich noch lieb? Ist sie weit weg von hier? Könnte ich sie besuchen gehen?“
Auf all diese Fragen, die er hastig und ohne Luft zu holen gestellt hatte, antwortete die Schnecke mit ihrer gewohnten Gemächlichkeit:
„Mein lieber Pinocchio! Die arme Fee liegt im Krankenhaus im Bett und kann nicht aufstehen!...“
„Im Krankenhaus?...“
„Leider ja. Von tausend Unglücksfällen heimgesucht, ist sie schwer krank geworden und hat nicht einmal mehr Geld, sich einen Bissen Brot zu kaufen.“
„Wirklich?... Oh, was für einen großen Kummer du mir da bereitest! Oh, arme kleine Fee! Arme kleine Fee! Arme kleine Fee! Wenn ich eine Million hätte, würde ich laufen, um sie ihr zu bringen ... Aber ich habe nur vierzig Soldi ... hier sind sie! Ich wollte mir gerade einen neuen Anzug kaufen. Nimm sie, Schnecke, und bring sie sofort meiner guten Fee.“
„Und dein neuer Anzug?“
„Was kümmert mich der neue Anzug? Ich würde sogar diese Lumpen verkaufen, die ich am Leib trage, um ihr helfen zu können! Geh, Schnecke, und beeil dich! Und in zwei Tagen komm wieder her, dann kann ich dir hoffentlich noch ein paar Soldi geben. Bisher habe ich gearbeitet, um meinen Vater zu versorgen; von heute an werde ich fünf Stunden mehr arbeiten, um auch meine gute Mama zu versorgen. Leb wohl, Schnecke, in zwei Tagen erwarte ich dich.“
Die Schnecke fing, ganz gegen ihre Gewohnheit, an zu rennen wie eine Eidechse in der großen Augusthitze.
Als Pinocchio nach Hause kam, fragte ihn sein Vater:
„Und der neue Anzug?“
„Ich habe keinen gefunden, der mir richtig passte. Da kann man nichts machen!... Ich kaufe ihn ein andermal.“
An diesem Abend blieb Pinocchio, statt bis zehn Uhr aufzubleiben, auf, bis es Mitternacht geschlagen hatte! Und statt acht Binsenkörbe flocht er sechzehn.
Dann ging er zu Bett und schlief ein. Und im Schlaf war es ihm, als sähe er im Traum die Fee, wunderschön und lächelnd, die ihm einen Kuss gab und dann zu ihm sagte:
„Brav, Pinocchio! Weil du ein so gutes Herz hast, verzeihe ich dir alle Lausbübereien, die du bis heute angestellt hast. Kinder, die ihren Eltern in ihrer Not und ihrer Krankheit liebevoll beistehen, verdienen immer großes Lob und große Zuneigung, auch wenn man sie nicht als Vorbilder an Gehorsam und gutem Betragen hinstellen kann. Sei künftig vernünftig, und du wirst glücklich sein.“
Hier endete der Traum, und Pinocchio wachte auf und riss die Augen weit auf.
Nun stellt euch einmal vor, wie groß sein Staunen war, als er beim Aufwachen merkte, dass er kein hölzerner Hampelmann mehr war, sondern ein Junge geworden war wie alle anderen. Er schaute sich um, und statt der gewohnten Strohwände der Hütte sah er ein hübsches Zimmerchen, eingerichtet und geschmückt mit einer Schlichtheit, die beinahe elegant war. Als er aus dem Bett sprang, fand er einen schönen neuen Anzug bereitgelegt, eine neue Mütze und ein Paar Lederstiefelchen, die ihm wie angegossen passten.
Kaum war er angezogen, steckte er ganz natürlich die Hände in die Taschen und zog eine kleine Geldbörse aus Elfenbein hervor, auf der diese Worte geschrieben standen: „Die Fee mit den blauen Haaren gibt ihrem lieben Pinocchio die vierzig Soldi zurück und dankt ihm sehr für sein gutes Herz.“ Als er die Börse öffnete, glänzten darin statt vierzig Kupfersoldi vierzig funkelnagelneue Goldstücke.
Dann ging er hin, um sich im Spiegel zu betrachten, und es kam ihm vor, als wäre er ein anderer. Er sah nicht mehr das gewohnte Bild der hölzernen Marionette, sondern das lebhafte, kluge Bild eines hübschen Jungen mit kastanienbraunen Haaren, himmelblauen Augen und einer Miene so fröhlich und festlich wie ein Pfingstsonntag.
Inmitten all dieser Wunder, die eines auf das andere folgten, wusste Pinocchio selbst nicht mehr, ob er wirklich wach war oder ob er immer noch mit offenen Augen träumte.
„Und wo ist mein Vater?“, rief er plötzlich; und als er ins Nebenzimmer trat, fand er den alten Geppetto gesund, munter und gut gelaunt wie früher; er hatte sofort sein Handwerk als Holzschnitzer wieder aufgenommen und zeichnete gerade einen wunderschönen Rahmen voller Laubwerk, Blumen und kleiner Köpfe von allerlei Tieren.
„Sag mir doch eins, lieber Papa: Wie erklärt sich denn diese ganze plötzliche Veränderung?“, fragte ihn Pinocchio, fiel ihm um den Hals und bedeckte ihn mit Küssen.
„Diese plötzliche Veränderung in unserem Haus ist ganz allein dein Verdienst“, sagte Geppetto.
„Warum mein Verdienst?“
„Weil Kinder, wenn sie aus bösen zu guten werden, die Gabe haben, auch ihrem Zuhause ein neues, freundliches Aussehen zu verleihen.“
„Und wo mag sich wohl der alte hölzerne Pinocchio versteckt haben?“
„Da ist er!“, antwortete Geppetto und zeigte ihm einen großen Hampelmann, der an einem Stuhl lehnte, den Kopf auf eine Seite gedreht, die Arme baumelnd und die Beine gekreuzt und halb eingeknickt, sodass es ein Wunder schien, dass er überhaupt aufrecht stand.

Pinocchio drehte sich um und sah ihn an; und nachdem er ihn eine Weile betrachtet hatte, sagte er bei sich mit allergrößter Zufriedenheit:
„Wie komisch war ich doch, als ich ein Hampelmann war! Und wie froh bin ich jetzt, dass ich ein ordentlicher kleiner Junge geworden bin!...“
ENDE.