← Library

Rumpelstilzchen

Grimms Märchen · Jacob Grimm · translated by AI translation (unreviewed)

Am Rande eines Waldes, in einem weit entfernten Lande, floß ein schöner Wasserstrom; und an dem Strom stand eine Mühle. Das Haus des Müllers stand ganz nahe dabei, und der Müller, müßt ihr wissen, hatte eine sehr schöne Tochter. Sie war überdies sehr klug und gewitzt; und der Müller war so stolz auf sie, daß er eines Tages dem König des Landes, der zu jagen in den Wald zu kommen pflegte, erzählte, seine Tochter könne Gold aus Stroh spinnen. Nun war dieser König sehr auf Geld erpicht; und als er die Prahlerei des Müllers hörte, wurde seine Habgier geweckt, und er ließ das Mädchen vor sich bringen. Dann führte er sie in eine Kammer seines Palastes, wo ein großer Haufen Stroh lag, und gab ihr ein Spinnrad und sprach: „Das alles muß bis zum Morgen zu Gold gesponnen sein, so lieb dir dein Leben ist.“ Vergebens sagte das arme Mädchen, es sei nur eine törichte Prahlerei ihres Vaters, denn so etwas wie Stroh zu Gold zu spinnen könne sie nicht: die Kammertür wurde verschlossen, und sie blieb allein zurück.

Sie setzte sich in eine Ecke der Kammer und begann, ihr hartes Schicksal zu beklagen; da öffnete sich auf einmal die Tür, und ein wunderlich aussehendes Männlein humpelte herein und sprach: „Guten Tag, meine gute Jungfer; worüber weinst du?“ „Ach!“ sagte sie, „ich muß dieses Stroh zu Gold spinnen und weiß nicht, wie.“ „Was gibst du mir,“ sagte der Kobold, „wenn ich es für dich tue?“ „Mein Halsband,“ antwortete das Mädchen. Er nahm sie beim Wort, setzte sich ans Rad und pfiff und sang:

„Fröhlich rüst ich mir das Mahl, heut brau ich, morgen back ich fein; gar lustig tanz ich manches Mal, denn morgen zieht ein Fremder ein!“

Und lustig ging das Rad rundherum; die Arbeit war schnell getan, und das Stroh war alles zu Gold gesponnen.

Als der König kam und dies sah, war er höchst erstaunt und erfreut; doch sein Herz wurde noch begieriger nach Gewinn, und er schloß die arme Müllerstochter aufs neue mit einer weiteren Aufgabe ein. Da wußte sie nicht, was sie tun sollte, und setzte sich abermals nieder zu weinen; doch bald öffnete das Männlein die Tür und sagte: „Was gibst du mir, wenn ich deine Aufgabe tue?“ „Den Ring an meinem Finger,“ sagte sie. Da nahm ihr kleiner Freund den Ring und begann wieder am Rad zu arbeiten und pfiff und sang:

„Fröhlich rüst ich mir das Mahl, heut brau ich, morgen back ich fein; gar lustig tanz ich manches Mal, denn morgen zieht ein Fremder ein!“

bis lange vor dem Morgen alles wieder getan war.

Der König war hoch entzückt, all diesen glitzernden Schatz zu sehen; doch noch immer hatte er nicht genug: so führte er die Müllerstochter zu einem noch größeren Haufen und sprach: „Das alles muß diese Nacht gesponnen werden; und wenn es geschieht, so sollst du meine Königin sein.“ Sobald sie allein war, kam jenes Männlein herein und sagte: „Was gibst du mir, wenn ich dir zum dritten Mal Gold spinne?“ „Ich habe nichts mehr,“ sagte sie. „Dann versprich mir,“ sagte das Männlein, „dein erstes Kind, das du haben wirst, wenn du Königin bist.“ „Das mag wohl nie geschehen,“ dachte die Müllerstochter; und da sie keinen andern Weg wußte, ihre Aufgabe vollbracht zu bekommen, sagte sie, sie wolle tun, was er verlangte. Wieder ging das Rad rundherum zu dem alten Lied, und das Männlein spann den Haufen abermals zu Gold. Am Morgen kam der König, und da er alles fand, was er begehrte, mußte er sein Wort halten; so heiratete er die Müllerstochter, und sie wurde wirklich Königin.

Bei der Geburt ihres ersten Kindes war sie sehr froh und vergaß das Männlein und was sie versprochen hatte. Aber eines Tages kam er in ihr Gemach, wo sie saß und mit ihrem Kindlein spielte, und erinnerte sie daran. Da grämte sie sich sehr über ihr Unglück und sagte, sie wolle ihm allen Reichtum des Königreichs geben, wenn er sie freigäbe, doch vergebens; bis endlich ihre Tränen ihn erweichten und er sprach: „Ich gebe dir drei Tage Frist, und wenn du mir in dieser Zeit meinen Namen sagst, so sollst du dein Kind behalten.“

Nun lag die Königin die ganze Nacht wach und dachte an all die sonderbaren Namen, die sie je gehört hatte; und sie sandte Boten durch das ganze Land, um neue zu erkunden. Am nächsten Tag kam das Männlein, und sie begann mit TIMOTHEUS, ICHABOD, BENJAMIN, JEREMIAS und allen Namen, die sie sich entsinnen konnte; doch zu allen und jedem sagte er: „Frau Königin, so heiße ich nicht.“

Am zweiten Tag begann sie mit allen ausgefallenen Namen, die sie zu hören bekam, KRUMMBEIN, BUCKELHANS, SPINDELBEIN und so fort; doch das kleine Herrchen sagte noch immer zu jedem von ihnen: „Frau Königin, so heiße ich nicht.“

Am dritten Tag kam einer der Boten zurück und sagte: „Ich bin zwei Tage gereist, ohne von anderen Namen zu hören; aber gestern, als ich einen hohen Berg erstieg, mitten unter den Bäumen des Waldes, wo Fuchs und Hase einander gute Nacht sagen, sah ich eine kleine Hütte; und vor der Hütte brannte ein Feuer; und rings um das Feuer tanzte ein possierliches Männlein auf einem Bein und sang:

‚Fröhlich richt ich das Mahl mir zu. Heut brau ich, morgen back ich fein; gar munter tanz und sing ich nu, denn übermorgen zieht ein Fremder ein. Wie wenig träumt die Herrin mein, daß Rumpelstilzchen soll mein Name sein!‘“

Als die Königin dies hörte, sprang sie vor Freude auf, und sobald ihr kleiner Freund kam, setzte sie sich auf ihren Thron und rief ihren ganzen Hof herbei, um sich des Spaßes zu erfreuen; und die Amme stand an ihrer Seite, das Kind auf dem Arm, als wäre es ganz bereit, hergegeben zu werden. Da begann das Männlein zu kichern bei dem Gedanken, das arme Kind zu bekommen und mit sich heim in seine Hütte im Walde zu nehmen; und er rief: „Nun, Frau Königin, wie heiße ich?“ „Heißt du HANS?“ fragte sie. „Nein, Frau Königin!“ „Heißt du KUNZ?“ „Nein, Frau Königin!“ „Heißt du HEINZ?“ „So heiße ich nicht.“ „Heißt du etwa RUMPELSTILZCHEN?“ sagte die Königin listig. „Das hat dir eine Hexe gesagt! – das hat dir eine Hexe gesagt!“ schrie das Männlein und stieß im Zorn seinen rechten Fuß so tief in den Boden, daß er ihn mit beiden Händen packen mußte, um ihn wieder herauszuziehen.

Dann machte er sich eiligst davon, während die Amme lachte und das Kindlein jauchzte; und der ganze Hof verspottete ihn, daß er sich um nichts so viel Mühe gemacht hatte, und sagte: „Wir wünschen dir einen recht guten Morgen und ein fröhliches Fest, Herr RUMPELSTILZCHEN!“